Arbeitermädchen meets "Hotel Adlon"



Eine großzügige Geste meiner allerliebsten Schwiegereltern in Form eines Gutscheins bescherte uns und einem befreundeten Paar heute einen Brunch im legendären Hotel Adlon mit Blick auf das Brandenburger Tor.


In solch einem geschichtsträchtigen Ambiente im Herzen unserer Haupt- und Geburtsstadt fein gemacht zu speisen ist für uns ein besonderer Moment, den man mit den guten roten Klackerschuhen und Anzug angemessen würdigt, sich die Mühe macht, eine etwas gewähltere Aussprache zu verwenden und nicht den Kellner "Wo is noch ma dit Klo?" zu fragen, sondern nachdenkt und die gewohnte Berliner Schnauze in der Ecke stehen läßt, in der wahrscheinlich ebenso irgendwann Geschichte geschrieben wurde, wie auf jedem anderen Quadratzentimeter in diesem Haus.


Als Normalsterbliche parkten wir heute einmal standesgemäß im doch bezahlbaren Hotel-Parkhaus, wo der Boden so sauber war, dass die Reifen beim Einparken quietschten. Und auch ungewohnt war der wärmend beheizte Empfang beim Waggentüren öffnen.


Herzlich war auch der Empfang im "Restaurant Quarre" im Erdgeschoss und für uns erfreulich der reservierte Tisch am Fenster, der uns nur durch eine Scheibe von der triefenden Außenwelt mit erstaunt herein blickenden Touristen trennte. Normalerweise sind wir die jenigen, die verstohlen einen Blick in ein so schönes Ambiente werfen und bestimmt nicht denken, dass dort ganz normale Leute sitzen könnten. Man hat da so Klischees im Kopf.


Wie wundervoll lecker das Essen war, kann jeder ahnen - und es stimmt! Drei Stunden haben wir königlich gespeist und ich habe meine erste Auster gegessen, wobei ich Ahnungslose erst einmal eine geschlossene vom Buffet genommen hab, dann aber von einem mir hinterher gespurteten und sehr netten Servicemenschen darauf aufmerksam gemacht worden bin, dass ich diese schwerlich am Tisch hätte auf bekommen und er mir ebenso noch ein in ein Tuch umwickeltes Zitrönchen und ein klitzekleines Chesterbrot als Abrundung empfahl, welches eine elegante Symbiose (Wer Disney´s Ratatouille gesehen hat, weiß, was ich meine!) in meinem Mund schuf und mir nicht das Gefühl gab, ein kompletter Idiot zu sein.


Wir haben uns nett unterhalten, den wunderbar entspannenden Service genossen und nebenher jeder mindestens vier Teller verbraucht, denn natürlich wurde er nach jedem fertigen Gang still und unauffälig entfernt.


Wir tranken Champagner und Sekt, nebenher Kaffee und fühlten uns richtig gut aufgehoben.


Meine vorher kurz aufkommende Angst, in einem versnobten Laden als schnödes armes Arbeitermädchen bloß gestellt zu essen war absolut unbegründet. Ich nehme an, dass dies der wahre Luxus ist, wenn man guten Service liefert, ohne Unterschiede machen zu müssen, um etwas darzustellen.


Es war schön, das alles einmal zu erleben und ich kann nur noch einmal sagen:


Vielen Dank! Was für ein glamouröses Geschenk!

Ich finde übrigens, dass rotes Leinen immer edel zu grauer Anzughose aussieht und deswegen musste ich mir kurzerhand mal eben schnell nach eigener und freier Schnitttechnik ein Oberteil nähen, um angemessen gekleidet zu sein :DDD.





Kommentare:

  1. Dekandent, dekant meine Liebe...siehste hat dir doch gefallen und du hattest solche Angst davor :)

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  2. Oh, wie wunderbar! Das klingt wirklich ganz große Klasse!
    Wir war denn Dein Auster-Erlebnis? Ich trau mich ja nie Austern zu probieren, es Widerstrebt mir irgendwie, eine Auster lebendig mit Zitrone zu verrühren... und dann ist die noch so glibberig, und ob ich die runter bekäme... also DAFÜR bewundere ich ja Deinen Mut *gg*
    Aber schön, dass man sich auch als einfaches "Arbeitermädchen" in so glamourösem Umfeld gut fühlen kann! Wirklich, wirklich ein tolles Erlebnis!

    Liebe Grüße
    Katha

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  3. Das würde ich auch mal gerne machen.
    Und der Blick aus dem Fenster, direkt auf das Brandenburger Tor, das wunderschöne Ambiente mit den schönen Palmen in den Ecken, hach wie traumhaft.
    Ich glaube, ich habe das Brandenburger Tor noch nie live gesehen, ich war nur einmal kurz in Berlin und da hat die Zeit nur für den Fernsehturm und einige Mauerreste gereicht. Aber irgendwann....
    Liebe Grüße Frau Sappalot

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  4. Guten Morgen Dani,

    na siehste geht doch mal eben schnell etwas zu nähen.
    Das was Du erzählst scheint ja ganz wunderbar gewesen zu sein.
    Das muß ich mir merken, für liebe Menschen.

    Liebe Grüße Chriss

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