Verborgene Stille

Das Warten nimmt einem manchmal die Hoffnung!

Hoffnung auf all das Gute!

Hilflosigkeit!

Lebenserhaltende Massnahmen werden nicht mehr angewendet. Abgelehnt, weil alles gelebt.

Morphium, weil man ohne Schmerzen gehen will.

Mein Herz verabschiedet sich.

Mein Gesicht ist fahl und lächelt zum Wohl der Anderen immer weiter. Immer weiter.

Mir ist so schlecht. Zum Übergeben schlecht.

Aber die Hülle steht. Ist standhaft.

Ich bin so müde....

Grün und Rot...

...erstrahlen die Wände des Spielraumes unserer kleinen Murkel in der Kita.
Sechs Eltern und unsere lieben Erzieherinnen Kati und Michi strichen in vier Stunden alle Wände strahlend neu - meine Knochen sagen alle "Hallo!" und ich bin so müde.

Und mir fällt ein - duschen geht nicht, da die Viel-Zu- Früh-Aufsteher-Handwerker heute morgen die Badewanne neu mit Silikon verkleidet haben und man auf gar keinen Fall Wasser drauf tun darf, wenn mann bei den Untermietern keinen Wasserschaden verursachen will - MIST!

Also Waschbecken-Katzenwäsche - blärx!

Egal!

Gut sein und helfen macht ein ruhiges Herz - tut uns gut, auch wenn wir manchmal Nein sagen wollen, ist es doch immer wieder ein gutes Gefühl, dabei gewesen zu sein.

Private Krankenstation


Film Ab!

Herzlich Willkommen auf der privaten Pflegestation für Bedürftige!

Hier werden Sie rund um die Uhr von Muttern bekocht, beputzt, bekuschelt.

Sollte Ihnen irgendetwas fehlen oder sie haben verschiedene Bedürfnisse, schreien Sie einfach, am besten so laut sie können, "MAAAAAAMMMIIIII!".
Mami springt dann sofort, hält Köpfe, streichelt den Bauch, kocht Mittagessen, löffelt Ihnen die Suppe in den Mund und all das mit einer Engelsgeduld, warmer Stimme und einem liebevollen und tröstenden Blick.

Während Sie wahlweise "Heidi" oder andere angenehme Filme auf der Couch unter der Kuscheldecke schauen, widmet sich Mami nebenbei dem Haushalt und schrubt, wäscht und macht sonst noch Haushaltsdinge, zu denen man sonst nicht kommt.

Am Abend bringt Mami Sie liebevoll ins Bett, liest Krankheitsgeschichten und kuschelt auch gern noch eine halbe Stunde länger.

Ein normaler Tag auf Ihrer privaten Pflegestation, wenn Papi und Murkel krank sind.

Happy End!

Abspann!

(Dann fällt Mami in einer todesähnlichen Starre auf den Sessel, aus dem sie erst wieder entspringt, wenn das Murkelchen die Nachtbekuschelung braucht, oder jemand Durst hat, oder.......)

Schon wieder...

...Ohrenentzündung, Husten und Schnupfen.
Murkel und ich campieren im Wohnzimmer.

Blöd!

Das tiefe Loch


Das schwarze Loch zieht, will mich packen und lockt mit Stille.
Ich will nicht, arbeite mich drumherum, lenke mich ab, lächle, lache lauthals mit meiner Tochter, lenke mich immer noch ab, höre einfach nicht auf die Sirenen in meinem Kopf.
Aber es wird mich kriegen, bald, vielleicht ein bisschen später, hoffentlich sehr viel später.
Und dann wird mich die Trauer erschlagen. Ich weiß das jetzt schon, bereite mich vor und es wird mich trotzdem umhauen. Mein analytischer Kopf wird einmal nicht die Übermacht haben, einmal wird mein Bauch, mein Herz vor Schmerz versinken. Ich weiß das, ich schiebe es fort, packe meine Päckchen.

Bitte lass es noch lange dauern!

Lass den Tod am Ende des Regenbogens warten und ein neues großes und wunderbares Abenteuer sein, dass mich als Zurückgebliebene mit Hoffnung erfüllt...mit der Hoffnung, dass man sich wiedersieht.

Somewhere over the Rainbow

Leben

Wenn ein geliebtes Leben an Deiner Seite auf das Ende zugeht, weil es gelebt - erlebt - belebt - entlebt hat, entsteht ein riesiges schwarzes Loch in Deinem Herzen. Erst wird es ganz still, und panisch überlegt man dann, was man noch tun, noch sagen, noch geben kann, um das Ende hinauszuschieben. Was hat man noch nicht gefragt, noch nicht sich getraut zu sagen? War das alles, soll das alles gewesen sein, ist die Chance noch mehr zu geben vorbei? Hat man demjenigen oft genug seine Liebe versichert - war das genug? Plötzlich begreift man die Endlichkeit, das man auch selbst sterblich ist, dass das Leben ein Geschenk ist, manchmal länger und manchmal nicht. Manchmal trifft man einen Menschen, der einem im Herzen bewegt erst spät, manchmal darf man nicht lang genug an seiner Seite sein. Hat man ihn wirklich gekannt - hat man genug für ihn von sich Preis gegeben? Wer war er früher? Wer ist man selbst? Ist man genug gewesen? Genauso erfüllend, wie dieser für Dich?

Man wartet.

Man hoffft.

Hofft auf ein Wunder und noch ein bisschen Zeit. Nur noch ein wenig Zeit. Nur noch...

Und dann kommen die Tränen.

Und man wartet.

Und fühlt sich ganz klein in einer Welt in der Menschen, die man liebt sterben müssen.

Man darf sie nicht behalten. Sie gehören einem nicht.

Man darf glücklich sein über die Zeit, die man hat...

...und sie nutzen.

Babybörse

Heute gehe ich mit meiner allerliebsten Freundin auf die Babybörse, das erste Mal zum Verkaufen.
Ich hab die halbe Woche, zwischen Schniefen, Fieber und Husten, vom Kinderzimmer bis in den Keller alles nach Kindersachen abgesucht und mehr als genug Zeug gefunden, um die halbe Stadt anzuziehen. Wenn man das als Neuwert ausrechnet, wäre das wahrscheinlich unser nächstes Auto geworden - Verrückt. Aber da wir lieber unseren Murkel Jahreszeitengerecht angezogen haben, anstatt in Fahrzeuge zu investieren, kamen beim Aufräumen unendlich viele Erinnerungen hoch und auch meinem geliebten Mann wurde damit ein - sonst eher sparsam gebrauchtes - "Ohhh, wie süß!" entlockt.

Trotz der sentimentalen Trennungsschmerzen bin ich auch glücklich, dass im Kinderzimmer wieder mehr Platz zum Spielen herrscht und auch die Sammelecken aufgehoben werden.

Jetzt wird gleich der Kofferraum unserer Susi (auch Auto genannt) vollgepackt und dann bin ich mal gespannt, wie es auf der anderen Seite von Verkaufs-(Tapezier-)tischen so abgeht. Wir werden, glaub ich, viel zu lachen haben.

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Stunden später sind die beiden Mamis glücklich und ein bischen reicher ;).
Ich hab nette andere Mamis kennengelernt und mich mit Schwangeren gefreut, mich mit netten Leuten unterhalten und kaum ein Wort mit meiner allerliebsten Freundin wechseln dürfen.
Aber irgendwie war das Auto nachher voller als vorher, obwohl ich nur ein paar Pullis für den Murkel gekauft hab ???

Hat mir Spass gemacht, die große Trödelbörse kann kommen :)

Die Waschmaschine

Wenn man das Lieblingshemd des geliebten Mannes auf den letzten Drücker vor dem wichtigen Job wäscht und am Ende des Waschvorganges das kleine Klicken nicht kommen will, damit die Tür auf geht, beginnt ein nicht enden wollendes Drama, das eine kleine Familie echt fertig machen kann.

Man rüttelt und schüttelt die Tür, tritt am Ende nach zwei Stunden dagegen, nimmt den Deckel ab, versucht von innen die Tür zu knacken, steckt die Hand durch tausend Kabel (nachdem man den Stecker gezogen hat ), reinigt den Filter (findet Pfennige - was alles sagt) und findet an keiner denkbaren Stelle den Notöffnungshebel, der eigentlich an allen Maschinen dran sein soll - da hat Quelle wohl in den Neunzigern gespart.

Also wirf man sie voll Hoffnung noch mal und noch mal an, sie läuft wunderbar durch, macht aber trotzdem die Tür nicht auf.

So holt man sich telefonischen und professionellen Rat, versucht, die Tür mit einem Draht wie ein Einbrecher zu öffnen - Nichts!

Also schleppt man zwei Wochen lang die halbe Wäsche zur allerliebsten Schwiegermami, die noch nicht genug zu tun hat, wäscht den Rest mit der Hand und wartet auf den Monteur - Freund der Familie.

Der tut alles was man kann, findet auch keinen Zugang zum Schloss und baut es am Ende aus, was das schon sieben Mal gewaschene und zum Glück nicht verschimmelte Hemd rettet, aber nicht hilft. Witziger Weise geht die Tür trotz ausgebautem Schloss trotzdem zu und auch wieder auf, aber man kann ohne Funkenschlag nicht mehr waschen.

Quelle wird sich freuen, wenn sie uns eine neue Maschine bringen darf und die alte gleich mitnehmen.

*HEUL*SCHLUCHZ*FLENN*

Es vergeht irgendwie nicht eine Woche in der einen nicht irgenwas teuer zu stehen kommt.

Die Seuche


Wenns einen erwischt, ist alles anders.

Beim Blick in den Spiegel am Morgen schaut einem ein verquollenes Monster mit pubertärer Gesichtsverzierung entgegen und Licht benötigt man auch keines mehr, denn die Nase erhellt mit ihrem leuchtenden Rot das gesamte Zimmer. Kontaktlinsen gehen auch nicht, da man ständig tränende Augen hat und auch durch die Brille wird das Aussehen nicht besser. Und auch nicht mit dem Riesenschal um den Hals.

Was der Spiegel nicht zeigt ist der gewaltige Kürbiskopf, der auf dem schwächelnden Hals sitzt und im Innern ein beständiges Echo von sich gibt.

Mein Niesen läßt die gesamte Nachbarschaft erbeben und die Bäume frühzeitig entlauben. Was das Kratzen im Hals nicht besser werden läßt. Man lutscht, schluckt, schmiert und salbt, aber nichts hilft.

Hilfe kommt erst in Sicht, wenn das Kind mit seinem enorm frischen Immunsystem wieder im Kindergarten weilt und nicht mehr schreiend auf einem rumhopst. Man darf vor dem Fernseher liegen, die dritte Staffel der Gilmores (die gesamte!) vorbeiziehen lassen und Hühnersuppe schlürfen.

Wichtige Gespräche am Telefon führt man am besten nicht, denn wie das Beispiel von vorhin zeigt, kommt eine kratzende und näselnde Stimme mit benebeltem Geist nicht so gut bei Vorstandssekretärinnen an.

Ich weiß, dass es besser wird!

Morgen schon!

Oder Übermorgen auf jeden Fall!

Bis dahin treibe ich noch ein bischen auf der Chouch über das Erkältungsmeer, schaukel dahin, eine leichte Brise beschwingt meine bunte Kuscheldecke, Aspirin und Kaffee begleiten meinen Weg in neue Gefilde...

Wie gesagt, alles ist anders - WUUUAAAATSCCHHHA!

Gesundheit!

(Ja, ich wünsche noch, auch wenn man das nach dem neuen Knigge nicht mehr machen soll - So ein Blödsinn!)

Geburtstag in der Notaufnahme

So enden perfekt geplante Geburtstage....
...mit Mittelohrentzündung in der Notaufnahme.

Happy Geburtstag, armes Häschen!

Geburtstagsvorbereitungen


Drei Jahre ist es her, da lag ich schon seit einem halben Tag mit meinem Mann im Krankenhaus Havelhöhe und wartete auf unseren kleinen Murkel, der es sich schon 43 Wochen sehr bequem in meinem riesigen Bauch gemacht hatte. Die Wehen waren da. Alle fünf Minuten. Aber die Abstände wurden nicht wirklich kürzer.

So wurden wir nachts um zwei durch den dunklen Park spazieren geschickt. Tapfer kämpfte ich mich am Arm meines Mannes von Bank zu Bank: "Sieh es einfach als Spiellevel. Die erste Bank ist das erste Level und beim zwölften dürfen wir wieder rein." Ich kämpfte, lachte und die Wehen begleiteten uns auf diesem fast romantischen Nachtgang.

Nachdem die erste Hebammenschicht gegangen war und die zweite sich bei uns vorgestellt hatte, lag mein Mann erschöpft, mit dem Stillkissen um den Hals schlafend, auf einem Stuhl vor meinem Geburtsbett. Ich hatte um mich herum alle Gebärmöglichkeiten, die man sich als werdende Mutter wünschen kann: Wanne, Ball, Kletterwand, Matte, Seil von Decke und ich lag eben im wundervoll bequemen Bett, neben dem die Wehen aufgezeichnet wurden.

Irgendwann war aber auch ich nicht mehr tapfer und wollte, zum Aufatmen der Hebamme, doch die PDA, die zwischen den Wehen gelegt wurde, nachdem man mir zehn Minuten einen Vortrag über mögliche Querschnittslähmung gegeben hatte. Nach dem zweiten Fehlstich mit der (Höllen-)Kanüle saß die PDA dann auch endlich und ich fing an meine Beine nicht mehr zu spüren. Das war auch der Moment, in dem ich dringend die Toilette besuchen wollte und partout nicht auf die Schwester hören und eine Bettpfanne benutzen. Ich schaffte es gerade noch,mich und meine letzte Würde zum Klo zu schleppen, bis ich vollständig ohne Unterleib (nach Gefühl) war.

Unsere erste Hebamme begrüßte uns nach weiteren Stunden lachend wieder zu ihrer nächsten Schicht. (Sie war einfach auch eine richtig coole S... . Und ohne sie hätte ich auch nicht so geduldig gewartet.) Sie ließ dann endlich meine Fruchtblase platzen, da das nicht so schön Hollywoodreif in irgendeinem Supermarkt oder Sektempfang passiert war und wir begannen langsam über Alternativen zur natürlichen Geburt nachzudenken.

Nach vierzig Stunden und dem Gefühl, dass mir der kleine Murkel bei der nächsten Wehe die Rippen bricht, entschieden wir uns für einen KAISERSCHNITT. Ich war aufgeklärt über die neuen Methoden, aber der Gedanke an eine riesige Fischgräten-Narbe quer über meinen Bauch hat mich nie verlassen.

Keine zehn Minuten später, nachdem filmreif Blut an das Tuch vor meinem Gesicht spritze und ich auf Grund der bizarren Situation nur noch lachen wollte, kam am 7.September um 21:36 Uhr unser kleines Wunder auf die Welt. Nur kurz hab ich einen Blick erhascht, da lag sie schon im Arm meines Mannes, der sie zum Wiegen/Waschen/Anschauen bringen durfte und nach einer gefühlten Ewigkeit lag sie dann endlich vor mir auf meiner Brust und ich konnte ihr in die Augen schauen.

Ich werde diesen Moment niemals vergessen. Ich dachte nie, dass etwas wie Muttergefühl in mir steckt. Aber dieses kleine Wesen lag da, ich wußte, das ist meine Tochter, die wir gebastelt hatten und ihr Leben liegt in meiner Hand, an meiner Brust, in meiner Verantwortung. Nun war es plötzlich wichtig, es nicht mehr zu vermasseln. Und ich wußte einfach, so schwer es werden würde, sie war es wert, mein Leben umzukrempeln, stark zu sein, geduldig, mutig und verantwortungsbewußt. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick in einer Form, die ich mir nie hätte erträumen können. Liebe in ihrer reinsten und tiefsten Art, die alles von mir fordern konnte.

Und morgen wird unser kleines Wunder drei Jahre!